Voltigieren EM: Zitterpartie endet im Neusser Jubel

Am Samstag noch war Team Neuss (Simone Wiegele, Antje Hill, Pauline Riedl, Janika Derks, Milena Hiemann, Mona Pavetic, Madita Schramm und Elisabeth Simon) bei den Voltigier-Europameisterschaften in Le Mans nach einem Sturz in der ersten Kür auf den zweiten Platz hinter der Schweiz zurückgefallen. Gestern drehten die Schützlinge von Jessica Schmitz mit einer Traumnote den Spieß um und holten den Titel zum Nixhof.

Le Mans Die Voltigiererinnen vom RSV Neuss-Grimlinghausen sind Europameister. Die Mannschaft von Trainerin und Longenführerin Jessica Schmitz gewann im gestrigen Finale in Le Mans den abschließenden Kürumlauf und damit die Gesamtwertung der kontinentalen Titelkämpfe.

(Foto: Daniel Kaiser)

Die Rheinländer hatten es allerdings spannend gemacht. Nach dem souveränen Triumph in der Pflicht waren die RSV-Sportlerinnen im ersten Kürdurchgang gestürzt und hinter die Schweiz zurückgefallen. Erinnerungen an 2006 wurden unweigerlich geweckt. Auch damals patzten die Neusserinnen bei den Weltreiterspielen in Aachen in der Kür und eroberten die Goldmedaille mit lediglich hauchdünnem Vorsprung.

In Le Mans war es ähnlich: In der Anfangssequenz bei der auf Opernmusik abgestimmten Kür stürzten die Neusserinnen und fanden im Verlauf der vierminütigen Darbietung im französischen Pferdesportentrum Boulerie Jump nicht wieder zur gewohnten Souveränität zurück. Zwischenbilanz am Samstag: Enttäuschung und Trübsal, mit 8,166 Punkten nur die drittbeste Kür, Abgabe der souveränen Führung an die an diesem Tag überragende Schweiz (8,607) und eine sich anschließende schlaflose Nacht für Jessica Schmitz.

Doch die interne Mannschaftsbesprechung am Abend brachte den ersehnten Erfolg. Das Team bewies im alles entscheidenden dritten Durchgang am gestrigen Sonntag auf dem 13-jährigen Westfalen-Wallach Arkansas seine Nervenstärke. Mit der Saisonbestleistung knackte die RSV-Equipe sogar die magische Neuner-Grenze. 9,073 Punkte bedeuteten die Tageshöchstnote und einen Vorsprung von drei Zehnteln vor der Schweiz , die vom sechsköpfigen Richtergremium die Wertnote 8,761 erhielt. Dieses Ergebnis reichte in der Endabrechnung, um sich an der Mannschaft von Trainerin Monika Winkler-Bischofberger vorbeizuschieben. Deutschland kam auf 8,3 Punkte. Die Schweiz auf 8,247.

Damit hatten die Neusserinnen für den ersten deutschen Championatserfolg nach 2008 gesorgt. „Wir waren heute bei weitem nicht perfekt, aber viel besser als gestern“, sagte Schmitz, die nach dem unerwarteten Absturz kein Auge zutun konnte. Am Ende hatte es Diplom-Sportwissenschaftlerin aber geschafft, ihre junge Truppe trotz des Rückschlags psychologisch optimal auf den Abschluss des Saisonhöhepunktes einzustimmen.

Die frisch gebackene Europameisterin Antje Hill, im Vorjahr Vize-Weltmeisterin im Einzel, war nach dem minutenlangen Jubel vor allem von der mit deutschen Fans gefüllten Westtribüne der Arena sichtlich stolz auf sich und ihre Mitstreiterinnen. „Wir haben uns zusammengerissen und richtig gut durchgezogen“, kommentierte die Psychologiestudentin. Sie lieferte zugleich die Erklärung für den von allen Seiten unerwartet schwachen ersten Kürumlauf: „Nach dem Sturz am Anfang waren wir komplett raus und vor allem uneinig, wer welche Elemente weiterturnt. Dadurch haben wir keine Sicherheit mehr bekommen.“

Equipechefin Ursula Ramge hatte derweil auch nach dem verpatzten Durchgang nicht an den Leistungsmöglichkeiten der Rheinländer gezweifelt und die Hoffnung auf den Titelgewinn behalten. „Ich wusste, dass es ein Krimi mit hauchdünnem Ausgang werden würde“, sagte die Bundestrainerin. . „Ich bin jetzt einfach überglücklich, dass wir es geschafft haben“, gab sie erleichtert zu Protokoll.

(Bericht: Daniel Kaiser, ebenso erschienen heute in der Neuß-Grevenbroicher Zeitung)

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